Menschliches Ökosystem

Von Carmela Mean, Hebamme

http://verenaschmid.eu/wp-content/uploads/2012/04/10-Menschliches-Ökosystem.pdf

Der mexikanische Freundeskreis symbolisiert den Zusammenhalt der Sippe oder des Stammes. Er steht ebenso für Freundschaft und Verbundenheit. Die Kerze in der Mitte des Kreises zaubert ein geheimnisvolles Licht auf die Gesichter der Figuren und wirft tanzende Schattenbilder in die Umgebung.

Unter Ökosystem wird ein in sich harmonisierendes System verstanden, das aus mehreren Elementen besteht. Diese einzelnen Elemente sind auf verschiedenste Weise miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt und angewiesen. Jede Bewegung, Veränderung oder Aktion eines Einzelnen hat Auswirkungen auf eines oder mehrere Elemente des ganzen Systems. Einzelne Elemente des Ökosystems können zudem auch untereinander kleine, in sich abgeschlossene Ökosysteme bilden. Da es sich um ein dynamisches Gebilde handelt, ist ein gewisser (Bewegungs-)Spielraum möglich, ohne dass es zu Störungen oder gar zum Kollaps des ganzen Systems kommt. Übertragen wir dieses Prinzip auf das menschliche Ökosystem, bedeutet dies, dass jeder Mensch Teil eines bzw. mehrerer Ökosysteme ist.

In den darin entstehenden Interaktionen wird zwischen ökologischer Potenz und ökologischer Valenz unterschieden. Die ökologische Potenz ist das Element, das Halt gibt, während die ökologische Valenz jenes ist, das gehalten wird. Potenz und Valenz stehen in einer Wechselwirkung zueinander, denn die Qualität der ökologischen Potenz wirkt sich auf die Befindlichkeit und die Reaktionsmöglichkeit (der Copingstrategie) der ökologischen Valenz aus und wird so zu deren Ressource. Innerhalb des menschlichen Ökosystems übernimmt das Individuum, je nach Situation, die Rolle der ökologischen Potenz bzw. der ökologischen Valenz. Der Lebensabschnitt rund um die Mutterschaft kann für eine Frau (ein Paar) unterschiedlich vertraut sein. Hatte sie zum Beispiel die Möglichkeit, die Ankunft eines Kindes bei einer ihr nahe stehenden Person aus dem Familienumfeld oder Freundes- und Bekanntenkreis zu beobachten und mitzuerleben, wird sie auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen können, als wenn sie noch nie mit diesem Thema in Kontakt war.

In der Begleitung der Frau rund um die Mutterschaft durch die Hebamme ist es deshalb wichtig, dass das soziale Umfeld, im Sinne einer ökologischen Potenz, miteinbezogen wird und die Schwangere ermutigt wird, bei Bedarf auf dieses zurückzugreifen. Je besser die Frau in ihrem menschlichen Ökosystem eingebettet ist, desto grösser ist ihre ökologische Valenz, was sie wiederum zu einer qualitativ hochstehenden ökologischen Potenz für das Kind macht. Diese Wechselwirkungen haben unmittelbaren Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit von Mutter und Kind und wirken sich auf die Mutter-Kind-Beziehung aus.

Mit der Unterstützung von und im Austausch mit Vertrauenspersonen wie Partner, Hebamme usw. (menschliches Ökosystem) wird die Frau darin bestärkt, die Verantwortung für Entscheidungen, die sie und ihr Kind betreffen, zu übernehmen. Des Weiteren werden sich die positiv erlebten Erfahrungen auf die Entwicklung neuer Ressourcen auswirken, die wiederum ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, positiv beeinflussen. In der von Antonovsky (1997) begründeten Salutogenese, wird der Fokus auf das Gesundheitserhaltende bzw. -fördernde gelenkt. Antonovsky ist sich bewusst, dass äussere Faktoren die Gesundheit gefährden können. Dennoch ist zu beobachten, dass bei gleichen äusseren Bedingungen Unterschiede beim Gesundheitszustand der Menschen auftreten. Das bringt Antonovsky zum Schluss, dass die allgemeine Grundhaltung eines Individuums gegenüber der Welt und dem eigenen Leben die Einwirkungsmöglichkeit von (äusseren) Faktoren mitbeeinflusst. Er bezeichnet diese Grundhaltung als Koh.renzgefühl (Sense of Coherence, SOC). Die Qualität dieses Kohärenzgefühls wirkt sich auf die Fähigkeit aus, Coping zu entwickeln. Mit Coping wird die Bewältigungsstrategie einer Person bezeichnet, mit der sie sich Herausforderungen und Aufgaben im weitesten Sinn stellt.

Zusammenfassend gesagt: Durch Unterstützung (ökologische Potenz) kann das Kohärenzgefühl verbessert werden, dies wirkt sich auf die Qualität des Copings einer Person (ökologische Valenz) aus, welches wiederum ihre Gesundheit und Anpassungsfähigkeit beeinflusst.

QUELLENVERZEICHNIS:

Antonovsky, Aaron (1997). Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen:DVGT Verlag.

Schmid, Verena (2011). Schwangerschaft, Geburt und Mutterwerden. Ein salutogenetisches Betreuungsmodell. Hannover: Elwin Staude Verlag

Bengel, Jürgen et al. (2001). Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese – Diskussionsstand und Stellenwert. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA

INTERNET:

Bildquelle: Dunia Feng Shui Shop Paradise Art, http://www.fengshuishopping.

de/fengshui_freunde_Freundeskreise.htm (08.01.2012).

Stress – Grundlagen, Auslöser und Bewältigungsmöglichkeiten.

http://www.oddblog.de/stress/seite-18.html

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